Privatsphäre im Internet (2)

Daten Datenschutz Profile privatsphäre

Daten überall

Privatsphäre schützen: Profile und ihre Gefahr für unsere Privatsphäre

In dieser Folge reden wir darüber, was es eigentlich mit diesen Daten auf sich hat, über die alle reden? Wir schauen uns an

  • welche Daten es über uns gibt,
  • wo diese herkommen und wie sie gesammelt werden,
  • warum ein Zuviel an Daten gefährlich sein kann
  • und was Du gegen das Datensammeln tun und Deine Privatsphäre schützen kannst.

Hier kannst Du Dir die Folge anhören und auch gratis abonnieren, so verpasst Du nichts.

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Daten und Profile

Bei jeder unserer Aktivitäten im Internet fallen Unmengen von Daten an. Diese werden von Unternehmen systematisch gesammelt um daraus Profile von uns zu erstellen, also charakteristische Eigenschaften herauszuarbeiten. Diese werden kategorisiert, und entweder zur Monetarisierung oder zur Bewertung eingesetzt.

Welche Arten von Daten gibt es?

Für unsere Privatsphäre sind zwei Arten von Daten relevant,

  • die selbst gelieferten und
  • die aus unseren Tätigkeiten abgeleiteten.

Zu Ersteren gehören zum Beispiel unsere Kommentare auf Facebook, zu Letzteren die von uns besuchten Webseiten, die von so genannten Trackern  überwacht werden.

Hier findest Du die gesammelten Tipps für die Sicherheit Deiner Daten und Deiner Privatsphäre.

Tipps wie Du Deine Datenspuren verminderst:

Um die Anzahl über uns sammelbarer Daten zu reduzieren gibt es zwei Möglichkeiten:

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​Datenschutz nehmen wir sehr ernst. Kein Spam. Jederzeit kündbar. Mehr Infos dazu in unserer Datenschutzerklärung.

  • die Datensparsamkeit[1], das heisst wir reduzieren die Menge an erzeugten Daten und
  • technische Maßnahmen, um die Menge der erfassten Daten zu reduzieren.

Die Einsparung von Daten ist natürlich immer vorzuziehen für den Schutz Deiner Privatsphäre. Was nicht da ist, kann auch nicht mißbraucht werden. Aber oft lässt sich nur schwerlich ein Dienst vermeiden, was machen wir, wenn wir Facebook aus irgendeinem Grund brauchen? Dann helfen uns die Tools wie Werbeblocker [2], um die Menge verwendbarer Datenspuren so klein wir möglich zu halten.

Lerne hier wie Du das Plugin installierst!

Bis nächstes Mal
Dein Mitch

Links:

[1] Datensparsamkeit ist hier mehr im Sinne des Datenschutzgesetzes definiert, für unsere Definition greift der Absatz “Gleichzeitig bezeichnet Datensparsamkeit auch eine von Datenschützern geforderte Zurückhaltung seitens des Verbrauchers, persönliche Daten außerhalb der für eine Geschäftsbeziehung notwendigen Informationen preiszugeben, insbesondere im Internet und bei Gewinnspielen”.
https://de.wikipedia.org/wiki/Datenvermeidung_und_Datensparsamkeit

[2] Werbeblocker
https://de.wikipedia.org/wiki/Werbeblocker

[3] Eine Erweiterung des Webbrowsers um Werbung und Programme zur Nachverfolgung und Datenerfassung zu blockieren.
https://de.wikipedia.org/wiki/UBlock_Origin

Lerne hier wie Du das Plugin installierst!

Alternative Suchmaschinen:

[4] Die Suchmaschine Startpage:

[5] Die Suchmaschine DuckDuckGo


im Wortlaut: die komplette Folge zum Nachlesen

Die Datenwache – der Podcast für Sicherheit und Privatsphäre im Internet

Hallo und herzlich Willkommen zur zweiten Episode des Podcasts “Die Datenwache”. Dem Podcast, in dem es um die Sicherheit Deiner Daten und Deiner Privatsphäre im Internet geht. Ich bin Mitch und das Thema, das wir heute behandeln ist diese Daten, von denen immer alle reden: Was ist das eigentlich?

Dazu werden wir uns zunächst einmal anschauen, welche Arten von Daten gibt es überhaupt und wo kommen die denn her? Wofür werden die Daten verwendet und wie können wir uns davor schützen? Ganz konkret wirst Du drei Punkte mitnehmen können, wo Du wirklich direkt Maßnahmen hast, die Du umsetzen kannst, um Deine Spuren im Netz deutlich zu reduzieren in Zukunft.

Das heißt, was Du heute lernen wirst ist auf jeden Fall: Es geht bei den Daten nicht nur darum, ob Du in Facebook jetzt gerade Urlaubsbilder postest oder Deinen Beziehungsstatus aktualisierst. Sondern das Thema ist deutlich tiefgehender und Du wirst lernen, es ist nicht alles verloren, man kann tatsächlich auch etwas tun.

Was sind Daten?

Wenn wir uns jetzt mal den Begriff der Daten anschauen, dann sagt Wikipedia erstmal so ganz einheitlich, definiert man das scheinbar nicht. In unserem Zusammenhang hier werden wir einfach mal sagen: Daten sind Informationen, die eine Person bzw. uns betreffen können.

Und das sieht die DSGVO auch ein bisschen so ähnlich. Da wird der Begriff der personenbezogenen Daten definiert als “Informationen, die auf eine identifizierte oder identifizierbare Person bezogen sind”. Wobei mir die Definition eigentlich nicht weit genug geht, weil wir uns nachher auch anschauen werden, dass es gar nicht mal unbedingt darum geht, dass man als Person identifiziert wird, sondern manchmal reicht es auch, wenn man in eine gewisse Kategorie fällt und dadurch dann einer Bewertung oder einer Manipulation ausgesetzt werden kann. Das heißt da würde ich schon sagen, da geht unsere Definition auch weiter als die DSGVO.

Welche Arten von Daten gibt es?

Schauen wir uns also zunächst erst einmal an, welche Arten von Daten es gibt und wo die herkommen. Ich möchte das unterteilen in zwei Bereiche. Zum einen die Daten und Informationen, die wir selber zur Verfügung stellen. Wo wir im Prinzip wissentlich tatsächlich Daten beitragen und dann die eher abgeleiteten Daten, wo wir durch unser Tun zwar Daten liefern, das aber jetzt nicht wirklich bewusst beeinflussen können bzw. wo schon deutlich mehr technischer Verstand dazugehört oder eben das Zuhören zu einem Podcast wie diesem hier, um im Laufe der Zeit einfach zu erkennen, was aus unserem täglichen Tun an Daten tatsächlich noch generiert wird.

Selbst generierte/gelieferte Daten

Aber fangen wir erstmal mit den selbst generierten Daten an. Ein Beispiel, was sich da immer irgendwie aufdrängt sind natürlich soziale Netzwerke. Ganz klar, wenn ich bei Facebook meinen Beziehungsstatus aktualisiere, dann weiß Facebook anschließend ob ich Single bin oder nicht. Und genauso gut, wenn ich irgendwelche Sachen like oder öfter teile. Dann ist natürlich klar, damit gebe ich Informationen hinaus, die in irgendeiner Form natürlich auch verwendet werden können. Das Selbe mache ich aber natürlich auch, wenn ich via Paypal irgendwelche Dienste bezahle. Das ist natürlich auch eine Information, wenn ich das oft genug mache, kann man natürlich auch daraus Informationen über mich generieren. Für meine Privatsphäre ist das gefährlich.

Bezahle ich damit zum Beispiel eine Singlebörse, um Menschen kennenzulernen, dann sagt das ja irgendwas über mich als Person aus. Aber auch was ich zum Beispiel bei Google suche. Eine Suchanfrage sagt vielleicht wenig über mich aus, wenn ich aber regelmäßig nach Kopfschmerzen, Genickschmerzen, Depressionen und solchen Themen suche, dann kann man daraus etwas ableiten und da ist vielleicht die Interpretation Überlastung im Beruf, Burn-Out oder irgendwie sowas natürlich durchaus möglich.

Suchen könnt Ihr klar auch mit alternativen Suchmaschinen.

Genauso meine Suchanfragen bei Onlinekaufhäusern. Ich liefere die Daten. Ich habe zehn Bücher gekauft. Das sind jetzt erstmal zehn Einzelinformationen, aber auch daraus kann ich etwas ableiten von den Inhalten der Bücher.

Auch im offline Modus erzeugen wir Daten

Aber das ist nicht nur online ein Problem mit Daten, die ich selber liefere, sondere das kann durchaus auch offline eine Rolle spielen. Wenn ich mir zum Beispiel anschaue, ich gehe in den Supermarkt und lege da schön meine Kundenkarte darauf, weil ich dafür ja Punkte gutgeschrieben bekomme. Dann wird die Firma darüber informiert, was ich da gekauft habe in dem Supermarkt und diese Informationen sind natürlich etwas wert. Daraus lässt sich etwas ableiten. Dem Ganzen widmen wir dann auch die nächste Folge, das heißt, wenn Dich das Thema Rabattsysteme interessiert ist Folge Nr. 3 genau Dein Ding.

Da gehen wir darauf näher ein und ein anderes Thema, wo auch relativ viel an Informationen erzeugt wird sind Messenger. Wenn ich mit einem Messenger Nachrichten mit einer Person teile, werden, obwohl die Nachrichten verschlüsselt sind, Daten ausgetauscht und der Betreiber, wenn wir uns zum Beispiel Whatsapp oder Facebook angucken, kann natürlich daraus ableiten, wann ich mit wem wie oft kommuniziere und solche Informationen alleine reichen schon, um zum Beispiel festzustellen, wo sich Beziehungen anbahnen oder wo Beziehungen ein Ende finden. Das alles als große Kategorie und wahrlich nicht als abschließend jetzt definierte Kategorie der Daten, die ich selber preisgebe.

Ableiten von Daten erfolgt in zwei Varianten

Wenn ich mir jetzt die abgeleiteten Daten anschaue, dann möchte ich auch das unterteilen in zwei Gruppen. Einmal so mehr die technisch einfachere Variante. Man zählt einfach, ob ich da war, ob ich was getan habe. Die zweite Gruppe, und die deutlich komplexere Variante des Nachverfolgens, wo wirklich im Prinzip jemand uns auf Schritt und Tritt über die Schulter schaut. Bei der einfachen Variante sprechen wir von sogenannten Zählpixeln. Das heißt man hat im Prinzip Grafiken, die in E-Mails oder auf Webseiten eingebettet sind und wenn diese Grafik geladen wird, muss ja, damit diese Grafik zu mir auf meinen Rechner oder mein Handy geliefert werden kann, meine Internetadresse an den Anbieter weitergegeben werden.

Einfache Nachverfolgung durch “Zählen”

Das sieht dann so aus, dass zum Beispiel Facebook seinen berühmten Daumen auf einer Nachrichtenseite hat unter einem Artikel und in dem Moment, wo ich über mein Tablet diesen Artikel öffne, wird diese Grafik von Facebook geladen. Dadurch bekommt Facebook mit, dass ich mit meiner Internetadresse diesen Artikel gelesen habe. Das heißt Informationen, die Facebook nichts angehen, gelangen über so eine Methode zu Facebook. Und in E-Mails funktioniert das ähnlich. Wenn ich Werbe-E-Mails zum Beispiel von einem Unternehmen bekommen, wo ich irgendwann mal etwas in den Warenkorb gelegt habe und dafür meine E-Mail-Adresse angeben musste, sind in diesen E-Mails auch gerne mal Bildchen eingebunden oder solche Zellpixel.

Diese E-Mails beinhalten die Bilder nicht, sondern haben einen Verweis auf diese Bilder und das heißt, dass die Bilder, genau wie bei einer Webseite, vom Anbieter nachgeladen werden und dadurch erfährt der Anbieter nicht nur die Adresse meines Rechners. Vor allen Dingen auch, dass ich die E-Mail geöffnet habe. Dadurch steige ich dann in dessen Verkaufspfanne gleich auf eine ganz andere Ebene, weil natürlich jemand der die E-Mail ignoriert ein nicht so wertvoller Kontakt ist wie jemand der die E-Mail öffnet und offensichtlich liest.

Ausgefeilte Nachverfolgung (Tracking)

Das sind Sachen, da würde ich sagen, da sprechen wir noch von relativ technisch einfachen Themen. Deutlich ausgefeilter wird es beim Thema der Nachverfolgung des sogenannten Trackings. Da können wir auch erst einmal anfangen und schauen uns den Klassiker an, wobei der technisch auch in vielen verschiedenen Varianten und Ausreifungen vorkommt, die sogenannten Cookies. Das sind kleine Dateien, die werden auf meinem Rechner gespeichert. Zum Beispiel bei Onlinekaufhäusern. Wenn ich bei denene twas einkaufe, dann legen die einen Cookie auf meinem Rechner an, um mir zum einen zu ermöglichen ohne mich wieder einloggen zu müssen, direkt wieder zu meinem Warenkorb zu kommen.

Aber da ist dann auch darin gespeichert, welche Sachen ich mir zuletzt angeschaut habe beziehungsweise in meinen Warenkorb gelegt habe. Und wenn ich jetzt auf einer Seite bin, die Werbung des Onlinekaufhauses anzeigt, dann taucht auf einmal da die Spülmaschine auf, die ich mir letzter Woche angeschaut habe. Diese Information darüber, dass diese Spülmaschine mich mal interessiert hat, bekommt das Onlinekaufhaus zum einen aus der Möglichkeit seine eigenen Cookies auszulesen. Das heißt eine Onlinekaufhaus-Werbung auf der Nachrichtenseite kann natürlich sehen, dass ich irgendwann mal beim Onlinekaufhaus auf der Webseite eine Spülmaschine angeschaut habe und zeigt mir dann entsprechende Werbung an.

Auf der anderen Seite ist das aber natürlich wieder die selbe Information wie vorher bei den Pixeln. Wenn das Onlinekaufhaus auf einer Nachrichten-Seite eine Werbung geschaltet hat und erkennt ich bin auf dieser Nachrichten-Seite und lese diesen Artikel über irgendeinen neuen Kochtrend und das Onlinekaufhaus erkennt anhand ihres Cookies wer ich bin, weil ich bin der, der sich früher mal die Spülmaschine angeschaut hat. Da steht mein Name dann in verklausulierter? Form drin. Dann weiß das Onlinekaufhaus natürlich nicht nur das mit der Spülmaschine von mir, sondern die wissen natürlich auch wieder, dass ich auf dieser Webseite war und den Nachrichten-Artikel gelesen habe und damit ist gleich meine Bewegung im Netz wieder einen Schritt weiter zusammengefügt.

Werbung basiert auf Nachverfolgung

Und das ist im Prinzip am Beispiel vom Onlinekaufhaus das Prinzip wie Werbung funktioniert. Werbung ist selten tatsächlich nur darauf ausgedacht, dass mir Bilder angezeigt werden mit Bohrmaschinen oder Schuhen, sondern Werbung besteht größtenteils aus einem komplexen Programmcode, der dafür da ist, mich wiederzuerkennen, um mir dann Werbung anzuzeigen, die wirklich genau auf mich zugeschnitten ist und nicht irgendwelche zufällige Werbung. Dafür werden wir in eine der nächsten Folgen eine dedizierte Folge machen. Das ist sehr spannend, denn wer glaubt, dass diese Werbung irgendwie zufällig ist oder sich nur um Waschmaschinen dreht, ist komplett falsch gewickelt. Das System dahinter ist extrem perfide und zeigt wirklich wie sehr wir da zum Produkt selber gemacht und nicht als Kunde betrachtet werden.

Aber um auf dieses Tracking zurückzukommen, das normale Nachverfolgen ist der Standard. Wenn ich mit meinem Browser irgendwo surfe, dann kriege ich Werbung angezeigt, die auf mich passt. Deutlich ausgefeilter ist es zu erkennen, dass ich mit verschiedenen Browsern surfe. Mal mit dem Safari, mal mit dem Chrome, mal mit dem Firefox. Das ist schon ausgefallener. Da werden nämlich Charakteristika Eures Computers verwendet, um Euch wiederzuerkennen. Noch spannender und natürlich wirklich der ganz große heiße Scheiß ist das Ganze geräteübergreifend zu machen.

Geräteübergreifendes Tracking

Das heißt, wenn ich morgens vor der Arbeit schön auf dem Tablet irgendwas im Internet surfe, auf der Fahrt mit der U-Bahn mit dem Iphone irgendwas mache, in der Firma sowohl mit dem Firmenrechner als auch mit meinem Firmensmartphone irgendwie arbeite und zwischendrin auch nochmal mit meinem Privaten und abends zuhause mich vor meinen Laptop setze, dann ist natürlich der feuchte Traum eines jeden Werbers zu sagen: Alle Informationen von diesen vielen verschiedenen Quellen sollen wir der einen Person zuordnen. Dieses Geräteübergreifende passiert tatsächlich und da werden wir auch nochmal sehr im Detail darauf eingehen, aber Ihr könnt Euch darüber im Klaren sein, vieles von dem, was Ihr auf verschiedenen Geräten macht, wird zusammengefügt in ein Profil.

Was ist eigentlich ein “Profil”?

und wofür werden meine Daten überhaupt verwendet? Und welche Gefahr stellt das für meine Privatsphäre dar?

Und mit dem Stichwort “Profil” kommen wir auch schon dazu, wofür werden diese Daten denn überhaupt verwendete? Das Profil ist grundsätzlich erst einmal definiert als ein stark ausgeprägtes Persönlichkeitsbild aufgrund bedeutender Fähigkeiten. Das klingt super, sagt aber im Prinzip jetzt erstmal, dass aus diesen vielen Einzelinformationen über mich ein großes Gesamtbild erzeugt wird. Wir können uns das als Beispiel einfach mal anschauen. Wenn ich sage, ich kaufe beim Onlinekaufhaus wieder meine Berge von Büchern, dann sind das nette Einzelinformationen. Die sagen vielleicht über mich aus, dass ich beim Onlinekaufhaus Berge von Büchern kaufe, wenn ich mir aber jetzt die Titel anschaue und da zum Beispiel feststelle, dass es da um das Finden einer Traumfrau oder eines Traummannes geht und das dann noch kombiniere mit Paypal-Zahlungen von irgendeiner Singlebörse und Nachrichtenseiten Artikeln darüber, dass Singles früher sterben, weil sie depressiver werden.

Dann kann man aus diesen Einzelinformationen ein Bild von mir schaffen, das vielleicht das Bild des unglücklichen, verzweifelten Singles ist. Und damit presst man mich dann in Kategorien und deshalb sagte ich auch am Anfang es geht nicht mal unbedingt immer nur darum, welche Person das wirklich ist, sondern wichtig ist, in was für eine Kategorie falle ich. Verzweifelte Singles auf der Suche sind eine Kategorie, mit der man Geld verdienen kann, indem man dem nicht irgendwie Hoffnung verkauft oder Möglichkeiten oder vielleicht tatsächlich auch Erfolgsaussichten. Das heißt dieses Kategorisieren und Menschen in Schubladen packen ist eigentlich das, worum es tatsächlich geht.

Google hat irgendwann einmal die Aussage getroffen

“Uns interessiert nicht, wer Du bist, sondern uns interessiert nur, dass wir Dich wiedererkennen”

und das sagt eigentlich genau das aus. Es geht nicht darum, ob ich jetzt der Mitch oder sonst irgendjemand bin. Wichtig ist, dass man sagt: “Okay, das ist dann derjenige mit den Eigenschaften, den Bedürfnissen, den Hobbies und dem kann man so und so viel Geld dafür aus der Tasche nehmen.” Das sind Leute, die wollen Werbung für irgendwas empfangen oder sind für Werbung empfänglich und dafür bezahlen die Werber natürlich auch. Am Ende Tages geht es immer nur um Geld. Die ganzen Daten müssen monetarisiert werden.

Profile als Basis zur Bewertung oder zur Manipulation

Und da gibt es zwei Kategorien wie daraus Geld gemacht wird, die ich mal ein bisschen plakativ als entweder Bewertung oder Manipulation beschrieben habe.

Manipulation ist mehr als nur Werbung

Unter Manipulation fällt für mich hauptsächlich, aber nicht nur, Werbung, sondern ganz generell das spezifischer Anzeigen und Ausspielen von Informationen. Wenn ich zum Beispiel Werbung habe, die genau auf meine Bedürfnisse angepasst ist, dann geht das unter Umständen einen Schritt weiter als die Tatsache, dass man mir im Baumarkt vielleicht eher einen Werkzeugkatalog in die Hand drückt als irgendeinen Katalog über biologische Landwirtschaftsprodukte. Auf der anderen Seite, wenn das Ganze so spezifisch ist, dass es wirklich mehr einer Verführung, einer Manipulation gleichkommt und wir das auch nicht mitbekommen, dass das tatsächlich so ist, denn wir sehen nur die Werbung.

Wir sehen nicht die Werbung, die an uns vorbeikommt und nicht für uns ausgestrahlt wird. Dann ist das Ganze natürlich eine extreme Gefahr dafür Leute zu etwas zu verführen, was sie eigentlich gar nicht wollen. Wenn wir dem Schokoladenjunkie jetzt laufend die Süßigkeiten vor die Nase halten und immer sagen: “Du brauchst davon wirklich nichts nehmen. Ich habe hier mal so eine schöne Spur von leckeren Pralinen durch das Wohnzimmer gelegt, aber Du brauchst nichts nehmen. Das ist Deine freie Entscheidung.” Das ist genau der selbe Mist, den jeder erzählt, der irgendwie sagt “Ich lasse mich von Werbung nicht beeinflussen”. Das ist genauso wie dem trockenen Alkoholiker das Bierchen vor die Nase halten und irgendwie sagen: “Du brauchst das. Also das ist Deine Entscheidung. Du brauchst es nicht nehmen, aber wenn Du es haben möchtest. Hier wäre eins.”

Das ist hanebüchen zu glauben, dass wir durch irgendwelche subtilen immer wiederkehrenden Reize uns nicht verführen lassen und wenn man das Ganze mal ein bisschen ins Perfide denkt: Warum nicht irgendwie als Zielgruppe kleine, dicke Mädchen nehmen, die verzweifelt mit ihrer Figur sind. Ob sie jetzt wirklich zu dick sind oder nicht sei dahingestellt, aber sich das zumindest einreden. Und während “Germanys next Topmodel” läuft und diese Kinder da verzweifelt diese Sendung gucken und die mageren Mädels anschauen, könnte man denen ganz hervorragend ein bisschen Werbung für überteuerte und unwirksame, vielleicht sogar gesundheitsschädliche, Schlankheitspillen auf das Auge drücken und einfach mal gucken, was da passiert. Da wäre doch ein Mörder-Geschäftsmodell und das ist ja nur Werbung. Das sind Menschen, die können ihre Entscheidung selber treffen.

Und wenn man sich solche perfiden Szenarien vorstellt, glaube ich wird klar, auch Wahlwerbung, wo überhaupt nicht klar ist, welche Zielgruppe, welche Internetplakate zu sehen bekommt, Werbung im Internet ist nicht die gleiche Werbung wie Werbung an der Litfasssäule, sondern das ist eine ganz hohe Kampfklasse und Werbung ist dann auch fast das falsche Wort. Hier geht es um Manipulationsmöglichkeiten.

Auf Basis von Profilen wirst Du bewertet

Die andere Kategorie wie Geld aus Daten gemacht wird, ist diese Form der Bewertung. Wenn wir Profile haben und in Kategorien gepresst werden, heißt das ja, dass es auch Kategorien gibt wie

* ist zufrieden mit seinem Job / ist nicht zufrieden mit seinem Job
* leidet unter Burn-Out
* geht oft ins Fitnessstudio
* isst gesundheitsbewusst oder ist der Fastfood-Mensch

Aber auch die Kreditwürdigkeit kann auf Basis dieser Informationen abgeleitet werden. Wenn jemand sowie schon nur Freunde hat, die alle unter Hartz4 fallen, dann könnte irgendeine Schufa auf die Idee kommen zu sagen: “Bei dem ist das auch nicht mehr lange, dass der noch als einziger in seiner Facebook-Timeline einen Job hat. Dem geben wir mal lieber keinen Kredit.” Insgesamt also viele Möglichkeiten wie wir mit Daten manipuliert oder bewertet werden können, damit jemand dann einfach auf Basis dieser Daten mit uns Geld verdient.

Wie kannst Du Dich schützen?

Hier findest Du die gesammelten Tipps für die Sicherheit Deiner Daten und Deiner Privatsphäre.

Und ein wichtiger Punkt ist, wie kann man sich vor dieser Datenerfassung, Profilerstellung und entsprechender Monetarisierung schützen? Da gibt es zum Glück tatsächlich einige Möglichkeiten. Die sind immer davon abhängig, was für eine Herkunft diese Daten haben, was wir uns eben angeschaut haben.

Sei sparsam mit Daten

Der erste Punkt ist ganz klar der Punkt der Datensparsamkeit. Das heißt weniger Daten erzeugen und die zweite Möglichkeit ist wirklich ein technischer Schutz, was kann man tun, um den Datensammlern weniger Daten zur Verfügung zu stellen. Fangen wir mit der Datensparsamkeit an. Da geht es einfach darum so wenig Daten wie möglich, so viele wie nötig zu erzeugen. Das heißt Ihr meldet Euch für irgendeinen Onlinedienst an und der soll Euch irgendwas liefern. Dann braucht er von Euch eine Adresse und dann braucht er von Euch einen Namen und das war es eigentlich auch schon.

“Pflichtfelder”

Was sonst noch für Informationen typischerweise abgefragt werden, geht die nichts an. Da tragt Ihr dann lustig irgendwelche Informationen ein, die Euch gerade irgendwie spannend erscheinen oder lasst die Felder leer, wenn es geht. Aber Ihr seid nicht dazu verpflichtet dort die Wahrheit einzutragen. Die Wahrheit solltet Ihr bei den Sachen eintragen, die für die Erfüllung dieses Dienstes notwendig sind wie zum Beispiel eine Lieferanschrift. Aber Ihr könnt auch ganz anders mit der Datensparsamkeit umgehen, indem Ihr einfach mal verschiedene Dienste verwendet und nicht immer alle Eure Daten bei ein und demselben abliefert.

Tipp 1: Such mal anders

Das ist auch Tipp 1 heute. Nehmt anstatt Google mal eine andere Suchmaschine. Das mag unter Umständen irgendwie jetzt ein bisschen ungewöhnlich klingen, aber es gibt tatsächlich außer Google noch andere, alternative Suchmaschinen und meine Empfehlung, die ich dann auch in den Show-Notes verlinke, sind zwei. Das wäre zum einen “Startpage” und “Duckduckgo”. Die unterscheiden sich auch ganz gravierend. “Startpage” benutzt die Googledaten, um Euch das Suchergebnis zu liefern. Allerdings macht es das anonymisiert, sodass Google nicht mitkriegt, dass Ihr derjenige seid, der gesucht hat. “Duckduckgo” hat einen eigenen Index.

Das heißt es ist im Prinzip eine Suchmaschine wie Google und die liefert Euch andere Ergebnisse und das ist auch gut so, weil zu glauben, dass nur Google weiß wie der Hase läuft und alle anderen haben keine Chance ist auch nicht der richtige Ansatz. Deshalb probiert ruhig verschiedene Suchmaschinen aus und Ihr könnt auch, wenn Ihr was nicht findet, es beim dritten Versuch bei Google. Aber versucht die anderen und verwascht damit so ein bisschen Eure Datenspuren. Das war Tipp 1.

Tipp 2: Email Posteingang lesen mit einem Email-Programm

Der technische Schutz zielt zum ersten Mal darauf ab, was wir eben schon bei den E-Mails und den Webzählpixeln kurz angeschaut haben, denn ganz klar der Tipp ist: Wenn Ihr Eure E-Mail lest, lest sie nicht im Web-Interface, also bei web.de oder gmx, wo Ihr vielleicht noch Eure E-Mail haben werdet. Sondern richtet Euch einen Client ein wie Thunderbird, Outlook oder AppleE-Mail.

Es gibt unglaublich viele. Es gibt bessere und schlechtere, aber auch da gehen wir mal drauf ein. Der erste Schritt wäre auf jeden Fall, dass Ihr Eure E-Mails auf Euren Rechner ladet und dort lest. Und warum sollt Ihr das tun? Das sollt Ihr tun, damit diese Bildchen, diese Zählpixel, von denen ich eben erzählt habe, nicht automatisch nachgeladen werden und das könnt Ihr im Browser manchmal nicht verhindern. Das kommt ein bisschen auf den Anbieter an. Aber in den E-Mailprogrammen könnt Ihr es verhindern.

Und damit schafft Ihr es, dass, wenn Ihr Werbe-E-Mails bekommt, Ihr nicht automatisch diese Informationen “Ihr habt eine Mail geöffnet” an den Anbieter weiterleitet. Wenn Ihr dann auf einen Link klickt, dann gebt Ihr natürlich die Information weiter, weil die Links genauso funktionieren wie die Zählpixel. Da steht ein eindeutiger Code für Euch drin. Aber zumindest das Öffnen der E-Mails bleibt erstmal Euer Geheimnis.

Tipp 3: Nutze ein Programm um Tracker zu blockieren

Wir hatten eben schon gesagt, Werbung ist wahrlich nicht nur das Anzeigen hübscher Bildchen, sondern Werbung geht darüber hinaus. Werbung besteht oft aus diesen Trackern, aus dieser Software zum Nachverfolgen Deiner Tätigkeiten und um das zu verhindern gibt es ein Programm, das nennt sich ublock-origin. Auch das verlinke ich in den Show-Notes. Was das macht ist unter anderem Werbung. Aber auch noch viel mehr aus Euren Webseiten, wenn Ihr sie aufruft, herauszufiltern und das Schöne daran ist, Ihr werdet auf einmal feststellen

a) wie schnell auf einmal Internetseiten laden können, wenn diese ganze Werbemüll im Hintergrund nicht mitgeladen wird und

b) wie entspannt es ist, sich Internetseiten anzugucken, wenn die Dinger nicht flackern wie ein Weihnachtsbaum.

Lerne hier wie Du das Plugin installierst!

Zusammenfassung: Privatsphäre schützen

Und damit kommen wir dann auch zum Ende dieser Folge. Kurze Zusammenfassung: Wir hatten uns angeschaut, was sind Daten überhaupt? Welche Kategorien von Daten gibt es? Wir hatten unterschieden zwischen den selbsterzeugten Daten, wo wir das sehr wissentlich machen und die eher abgeleiteten Daten, die aus unserem täglichen Tun dann generiert werden. Wenn ich einen Artikel lese, warum muss Facebook dann wissen, dass ich diesen Artikel bei der Nachrichtenseite x gelesen habe. Wir hatten uns angeschaut, wie diese Daten verwendet werden, um bei uns Profile zu generieren, uns in Kategorien zu pressen und dann damit Geld zu verdienen.

Dies erfolgt entweder durch Manipulation, wobei Werbung da ein etwas verharmlosendes Wort dafür ist, oder um uns zu bewerten im Sinne von Kategorien für Versicherungen, für Personalabteilungen et cetera. Dann hatte ich Euch gezeigt, was drei gute Punkte sind, um sich zu schützen. Das Prinzip der Datensparsamkeit, weniger Daten erzeugen als vielleicht gerne von dem Unternehmen gehabt. Aber genauso viele wie notwendig und ein Schritt dafür, verwendet anstatt Google alternative Suchmaschinen wie “Startpage” oder “Duckduckgo”.

Und technische Schutzmaßnahmen: Lest Eure E-Mails in einem dedizierten E-Mailprogramm und nicht im Online-Interface und verwendet ublock-origin, um Eure Daten zu schützen, indem keine Werbung und damit auch keine Tracker, keine Nachverfolgungstools in Euren Webseiten geladen werden. Dann bleibt mir nur noch, Dir als Ausblick zu sagen: Die nächste Folge wird, wie angekündigt, sich mit dem Thema Rabattsysteme beschäftigen. Das ist sehr spannend und dann werden Themen kommen wie zum Beispiel: Was sind denn die großen Firmen, die Daten sammeln? Was bieten die denn alles an für Geld? Wie funktioniert Werbung im Netz?

Also viele, viele spannende Themen und ich würde mich sehr freuen, wenn Du ein paar von den Punkten, die ich Dir empfohlen habe, umsetzen würdest. Schreib mir doch bitte unter podcast@datenwache.de, wenn Du in dem Bereich etwas gemacht hast. Das würde mich sehr freuen. Wenn Du Wünsche hast, was Themen angeht, melde Dich. Auch gerne als Kommentare auf der Webseite oder an podcast@datenwache.de.

Bis dahin,

Dein Mitch

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